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Die verflixte Ich-Perspektive
Liebe Leute!
Zu meinem letzten Beitrag ist eine interessante Frage aufgekommen: Haben Sol Stein und seine Kumpels mal einen Bestseller verfasst? Aber… sind denn ihre Schreibratgeber keine Bestseller?
Doch habe ich mir irgendwann die gleiche Frage gestellt: Wo sind die Romane dieser Meister der Schreibkunst? In "Aufzucht und Pflege eines Romans" zeigt Sol auf, wie umwerfend die Ich-Perspektive sein kann, indem er sich stolz selbst zitiert. Also entschied ich mich, Thomassy kennen zu lernen und kaufte mir den spannenden Roman "Tür an Tür".
Die junge Francine wurde in ihrer Wohnung von ihrem Nachbarn vergewaltigt und sucht nun Hilfe bei George Thomassy, dem besten Anwalt von Westchester County.
Stein lässt all seine Figuren - 10 an der Zahl - persönlich zu Wort kommen. Mal steckt man im Vater der jungen Frau, mal im Anwalt, mal im Vergewaltiger usw. Zwischendurch sorgen Polizeiberichte für Auflockerung - ebenfalls Ich-Perspektive.
Zunächst war ich etwas verwirrt, da man mit dem Kapitelwechsel auch gleich in einer anderen Figur steckte, doch je weiter ich mich durch den Roman las, um so intensiver erlebte ich die Gefühle der Figuren. Ich glaube nicht, dass Sol Stein das gleiche Ergebnis mit der dritten Person erreicht hätte.
Um ein wenig abzuschweifen: Ein anderes Bespiel für die amüsante Ich-Perspektive ist "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger, eine exzellente Buchempfehlung Pias. Zwar hat er keine Schreibratgeber herausgegeben, aber auch ein Roman kann vor Schreibtipps nur so strotzen.
Der 16jährige Holden Caulfield erzählt im Jugendslang über seine Erlebnisse kurz vor Weihnachten 1949. Der Protagonist wirkt etwas dümmlich, dennoch ist er überaus liebenswert, vor allem wenn er über seine kleine schlaue Schwester Phoebe erzählt.
Warum nicht mal ausprobieren? Meine Kurzgeschichten sind eh fast ausschließlich in der Ich-Perspektive geschrieben. Doch wirkt auch ein Phantasy-Roman in dieser Perspektive? Ich probierte ein paar Seiten aus der Sicht meines Protagonisten Jarno, dann schrieb ich es in die dritte Person um. Schade, letzteres hat mir besser gefallen.
Trotzdem halte ich mir ein Hintertürchen offen: Im Laufe meines Romans wird Jarno Helfer finden, die ihm aus der Vergangenheit erzählen. Da ist sie wieder, meine Ich-Perspektive!
Einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertagsabend
salzi
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